Borsigs Name strahlt noch heute um die Welt

Vierter „Abend zur Industriekultur in Berlin-Brandenburg“ fand am 11. Mai 2012 statt

[GTIV, 13.05.2012] Der nunmehr bereits vierte „Abend zur Industriekultur in Berlin-Brandenburg“ war dem Thema „Borsig in Berlin“ gewidmet. Dr. Maria Borgmann, 1. Stellv. Vorsitzende des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs (BBWA), zeigte sich bei der Begrüßung am 11. Mai 2012 im „Goldberger-Saal“ des Ludwig-Erhard-Hauses angesichts der großen Resonanz, die der Name Borsig noch heute auslöst, berührt.
Sie erwähnte auch eine ganz aktuelle Entwicklung im Bezirk Reinickendorf – die bisherige Ortslage Borsigwalde im Ortsteil Wittenau ist gerade zu einem eigenen Ortsteil erhoben worden. Zum Abschluss benannte sie den 22. September 2012 als möglichen Termin für den fünften Industriekulturabend – der 150. Geburtstag Julius Bergers und die Berliner U-Bahn sollen dann im Fokus stehen.

Stefan Beck, Geschäftsführer der BORSIG GmbH, richtete zum 175. Jubiläum ein Grußwort an die sehr zahlreich erschienenen Interessierten. Er betonte die Rolle Berlins als Hauptsitz des Unternehmens BORSIG, auch wenn nach dem Ende der Produktion von Lokomotiven der Raumbedarf am Standort in Reinickendorf zurückgegangen sei.
Angesichts der geschichtlichen Dimension des Hauses hob er den Gegenwartsbezug und die Zukunftsorientierung der heutigen BORSIG-Gruppe hervor – der Name BORSIG gehe heute noch immer von Berlin aus um die Welt. Abschließend erklärte er, dass die „Tage der Insolvenz“ angesichts der gegenwärtigen guten Umsatzlage der Gruppe schon fast vergessen seien.

Dr. Dieter Vorsteher, Stellvertreter des Präsidenten des Deutschen Historischen Museums (DHM), ging mit seinem Vortrag „Berlin und Borsig – Anfänge vor 175 Jahren“ auf die Geschichte des Unternehmens ein.
Dr. Vorsteher ist nunmehr seit 24 Jahren beim DHM und hat sich in seiner Dissertation mit BORSIG befasst. Von ihm stammt auch das Buch „Borsig. Eisengießerei und Maschinenbauanstalt zu Berlin“, welches im Oktober 1998 im Siedler Verlag erschienen ist.
Anhand eines Fotos führte er das Auditorium zurück in das Jahr 1912, zur Feier des 75. Jubiläums in einer Montagehalle in Borsigwalde. Schon damals habe sich BORSIG weltweit engagiert – so u.a. mit Dampfkesseln, Hoch- und Tiefbau, Pumpwerken und eben Eisenbahntechnik.
August Borsig, 1804 in Breslau geboren, hatte 1823 ein Stipendium nach Berlin geführt. Dort besuchte er das von Peter Christian Wilhelm Beuth geleitete Königliche Gewerbeinstitut, brach diese Ausbildung aber schon 1825 ab.

Quelle: WikiPedia[http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Bundesarchiv_Bild_102-12815,_August_Borsig.jpg&filetimestamp=20090517175608] (gemeinfreies Werk)

Quelle: WikiPedia (gemeinfreies Werk)

August Borsig, Gemälde von Franz Krüger (1855)
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Bundesarchiv_Bild_102-12815,_August_Borsig.jpg&filetimestamp=20090517175608

Sodann trat er mit 21 Jahren eine Lehre in einem Maschinenbaubetrieb an und arbeitete sich dort zum „Faktor“ hoch. Schließlich gründete er 1837 seine eigene Eisengießerei. Die Produktion von 117.000 Schrauben für die Berlin-Potsdamer Eisenbahn sei sein erster Auftrag gewesen; Borsig habe damals zunächst jeden Auftrag annehmen müssen – zumeist Zuschussgeschäfte, so Dr. Vorsteher. Dazu zählten auch einige bekannte Werkstücke – z.B. die vier Löwen aus Gusseisen für die erste Hängebrücke Berlins von 1838, die Löwenbrücke im Tiergarten, oder die Dampfmaschine für das Pumpwerk Sanssouci 1841. Borsig habe sein Geld vorrangig mit dem Bau von Lokomotiven verdient. Mit der Beuth errang er 1844 die goldene Preismedaille der Gewerbeausstellung im Zeughaus.
Feuerland in der Oranienburger Vorstadt wurde zum Inbegriff für Industriekultur; aber schon Ende der 1840er-Jahre wurde der Platz zu klein und Borsig ließ ein Walzwerk in Moabit errichten. Die Revolutionszeit von 1848/49 habe Borsig für sich zu Akquisezwecken genutzt, was durchaus kritisch gesehen worden sei. Nach dem Tod August Borsigs im Jahr 1854 übernahm sein Sohn Albert das Geschäft. Dessen Tod 1878 stürzte BORSIG in eine Krise, denn seine Kinder waren noch minderjährig. Ein Kuratorium übernahm zunächst die Geschäftsführung in einer umstrittenen Art und Weise.
Um 1900 erfolgte die Werksverlagerung nach Borsigwalde. Dort wurde die Produktion von Lokomotiven wieder erfolgreich fortgesetzt. In den Jahren 1922 bis 1924 wurde auf dem Werksgelände der Turm errichtet. 1931 ging das Unternehmen fast in die Insolvenz; die Fertigung der Lokomotiven wurde nach Hennigsdorf verlegt. Ernst von Borsig – die Familie war erst spät geadelt worden – starb 1933. In der NS-Zeit kam es dann quasi zu
einer Verstaatlichung – damit sei auch das Ende des Familienunternehmens BORSIG besiegelt gewesen, so Dr. Vorsteher.

Quelle: WikiPedia  (gemeinfreies Werk)

Quelle: WikiPedia (gemeinfreies Werk)

„Borsig’s Maschinenbau-Anstalt zu Berlin 1847“ v. Karl Edaurd Biermann
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Borsig_1847.jpg&filetimestamp=20111021152010

In einer Lesung aus seinem neuen Roman ließ Prof. Dr. Horst Bosetzky, insbesondere als Krimi-Schriftsteller unter seinem Kürzel „-ky“ bekannt, den „König vom Feuerland“ lebendig werden. Er stellte den Epilog an den Beginn seiner Ausführungen und beschrieb eine Zwiesprache mit August Borsig an dessen von Christian Daniel Rauch geschaffener Büste am Grabmal auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof.

Quelle: WikiPedia (gemeinfreies Werk)

Quelle: WikiPedia (gemeinfreies Werk)

August Borsigs Erbbegräbnis auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Berlin_Erbbegraebnis_Borsig_AS.jpg&filetimestamp=20060119204835

Als Schriftsteller suche er Verbindungen zu seiner Romanfigur – er habe sich Borsig auch durch Analogiebetrachtungen zu Siemens angenähert, um sich in die Rolle hineinzuversetzen. Zu den historisch verbürgten Persönlichkeiten und Handlungssträngen erfordere ein Roman indes schon einige phantasievolle Anreicherungen, erläuterte Professor Bosetzky.
Die am 21. Juli 1840 durchgeführte Wettfahrt der ersten eigenen Lokomotive, der „Borsig“, gegen eine von George Stephenson in England gebaute Lokomotive auf der Strecke von Berlin nach Jüterbog beschrieb er höchst bildhaft – aufgrund der Eingleisigkeit der Strecke habe die Reihenfolge ausgelost werden müssen. Obwohl Borsig gar nicht als erster habe starten wollen, sei doch das Los auf ihn gefallen, und trotz einiger Anlaufschwierigkeiten habe dieser das Rennen für sich entscheiden können.
Abschließend beschrieb Professor Bosetzky noch die Eröffnungsfahrt auf der Strecke nach Stettin mit einem Sabotagezwischenfall. Hatte er sich eingangs als Lokomotivenliebhaber bekannt, ließ er es sich nicht nehmen, sich auch noch als Fußballfan vorzustellen – und darauf hinzuweisen, dass nach Albert Borsig der Borsigplatz in Dortmund benannt wurde.

Weitere Informationen zum Thema:

Berliner Partner, 19.04.2012
Borsig in Berlin im Fokus des 4. Industriekulturabends am 11. Mai 2012 / Gemeinsam vom Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv e.V. und dem Verein für die Geschichte Berlins e.V., gegr. 1865 veranstalteter Themenabend

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