Energiewende oder Energiewunder: VDI-Reihe zur Bundestagswahl 2013 gestartet

Auftaktveranstaltung „Energiewende – Energiewunder?“ fand am 21. Februar 2013 im Magnus-Haus in Berlin statt

[GTIV, 02.03.2013] Der VDI Berlin-Brandenburg hat im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 auf Initiative einer Arbeitsgruppe um Prof. Dr.-Ing. Ulrich Berger, dem Vorsitzenden des Bezirksvereins, und Dipl.-Ing. Karl-Heinz Schlaiss, dem Vorsitzenden des Landesverbandes Berlin-Brandenburg, die Veranstaltungsreihe „Technik und Gesellschaft“ konzipiert, in deren Rahmen die vier Themenkreise Energie, Industrie, Mobilität und „Life Science“ jeweils Schwerpunkt eines inspirierenden konstruktiven, wenngleich kontroversen Vortrags- und Diskussionsabends werden sollen. GTIV-Präsident Dirk Pinnow wird die Federführung für das Thema „Life Science“ übernehmen.

Die Auftaktveranstaltung „Energiewende – Energiewunder?“ fand am 21. Februar 2013 im Magnus-Haus statt:
In seinem Auftakt-Referat „Ziele der Energiestrategie 2013 für Brandenburg und des Berliner Energiekonzeptes 2020, Darstellung des in Brandenburg erreichten Standes“ betonte Dipl.-Ing. Ulrich Meyer, Teamleiter Energie der ZukunftsAgentur Brandenburg (ZAB), dass die Akzeptanz der Verbraucher insbesondere in Bezug auf das „Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien“ (EEG) und den Trassenausbau verloren gegangen sei. Auch der eigentlich durch das Überangebot an elektrischer Energie bedingte Preisverfall sei nicht beim Endkunden angekommen. Für Brandenburg sei die Braunkohle weiterhin „Brückentechnologie“. In Berlin setze man verstärkt auf Biomasse als Energieträger, aber es stelle sich die Frage, woher diese geliefert werden könnte – „bestimmt nicht aus Brandenburg“. Brandenburg sei heute „Stromexporteur“; dabei kämen 34,5 Prozent der elektrischen Energie aus Windkraftanlagen. Dennoch, so Meyer, sei Energie-Effizienz eine eher „kleinteilige“ Angelegenheit, die sich als wenig PR-wirksam erweise.

Exodus vieler Wirtschaftszweige befürchtet

Einen Exkurs unternahm Dipl.-Ing. Michael Limburg vom Europäischen Institut für Klima und Energie (EIKE) und warnte vor einer Deindustrialisierung infolge der Verbreitung von Mythen, mit denen sich „Billionen verbrennen“ ließen… Als Beispiele benannte Limburg den „Mythos vom anthropogen induzierten Klimawandel“ sowie den „Mythos vom baldigen Ende fossiler Ressourcen“ – beide nannte er eine „Zumutung“. Er führte aus, dass es grundsätzlich problematisch sei, überhaupt eine „globale Durchschnittstemperatur“ zu definieren; aber selbst wenn man die übliche Einteilung der Erde in Klimazonen berücksichtige, ließe sich für die letzten 150 Jahre – bei fragwürdiger Messgenauigkeit – ein ungefährer Temperaturanstieg von nur 0,8 Kelvin angeben. Es stelle sich nun die Frage, ob dieser Anstieg von nicht mal einem Grad Celsius in Korrelation zur Kohlendioxid-Emission stehe. Der CO2-Gehalt der Luft habe 1850 vermutlich bei 290 ppm (d.h. 0,0290 Prozent) gelegen und liege heute bei 392 ppm (d.h. 0,0392 Prozent), also kämen rund vier Kohlendioxid-Moleküle auf 10.000 Teile Luft. Er warnte vor der Suche nach „Scheinkorrelationen“ und verneinte eine Korrelation zwischen dem Anstieg des CO2-Gehalts der Luft und dem Anstieg der Durchschnittstemperatur – ein CO2-Einfluss sei nicht vorhanden oder allenfalls marginal. Im Übrigen befänden wir uns derzeit in dem fünften zu kalten Winter in Folge. Limburg betonte, dass derzeit weder fossile noch Kernbrennstoffe in den nächsten Hunderten Jahren knapp würden. Es sehe als Gefahr im Kontext mit der Klimadiskussion eher jene einer „gelenkten Demokratie“, die durch die „Große Transformation“ herbeigeführt werden solle. Die vom IPCC angestrebte Reduzierung von 80 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen, um eine Absenkung der Durchschnittstemperatur von nur 0,021 Kelvin zu erzielen, habe ihren Preis – kaum Heizung, Verkehr bzw. Industrie. Es sei also in der Tat ein „Energiewunder“ notwendig, so Limburg mit Blick auf die „Neuen Instabilen Energien (NIE)“, denn deren Volatilität erzwinge eine Speicherung, zudem sei eine Wandlung erforderlich. Jeder Wind- bzw. Solarpark erfordere die Vorhaltung eine konventionellen Kraftwerks. Solaranlagen in Deutschland hätten einen Wirkungsgrad von etwa acht Prozent. Visionen würden so zu Albträumen – die „Energiewende“ verteuere und verschlechtere die Energieversorgung, ein Exodus vieler Wirtschaftszweige drohe. Angesichts der im Vergleich zum EU-Ausland hohen Industriestrompreise habe die Deindustrialisierung längst begonnen, so eine Warnung von EU-Energiekommissar Günther Oettinger im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ 2012.

„Energiewende“ so anspruchsvoll wie Wiederaufbau nach dem Krieg

Dipl.-Ing. Sascha Hermann vom VDI-Zentrum für Ressourceneffizienz (ZRE) erläuterte, dass das Bezugsjahr für Einsparungen 1990 sei. Man möge die „Energiewende“ in der zeitlichen Dimension betrachten, auch wenn es bisher dafür noch keinen Masterplan gebe – das Thema sei so anspruchsvoll wie der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg bzw. nach der Wiedervereinigung. Die Forderungen nach Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Umweltverträglichkeit brächten eben auch Konflikte mit sich. Der VDI fordere daher einen gesetzlichen Rahmen. Die „Energiewende“ berge auch wirtschaftliche Chancen, so eine höhere Effizienz und damit Einsparungen.

Bedarf an Ingenieuren dürfte wachsen

Sodann wurde die Podiumsdiskussion eröffnet – es beteiligten sich neben den beiden Impulsrednern Limburg und Hermann auch Dr. Bernd Benser von der GridLab GmbH und Dipl.-Ing. Markus Czerner, CCF-Partners / VDI-AK Regenerative Energien:
Czerner verwies auf die Notwendigkeit, Ingenieure zur Bewältigung der Herausforderungen im Kontext der „Energiewende“ einzusetzen. Zudem kämen bedeutende ausländische Unternehmen, wie z.B. General Electric (GE), nach Deutschland, um dann von dem hiesigen Know-how zu profitieren. Natürlich ließen sich Naturgesetze nicht verändern. Allerdings verschiebe sich das Globale Ölfördermaximum (peak oil) in die Zukunft…
In Bulgarien sei gerade eine Regierung wegen der Energiefrage gescheitert – da wundere er sich über die Duldsamkeit der Deutschen, so Dr. Benser. Dabei gehe es doch um das dramatische Problem der Versorgungssicherheit. Er sehe bei den Stromnetzen einen Regelungsbedarf wegen der bisher mangelnden einheitlichen Fachsprache – nach einem richtigen „Blackout“ sei ein Wiederanlauf unter sechs Tagen kaum möglich. Der Netzausbau indes gestalte sich derzeit schwierig. So gebe es aktuell rund 1.500 Mitspieler in der 50-Hz-Regelzone, weitere würden folgen – es mangele aber an klaren Regeln. Die Diskussion zur „Energiewende“ sollte unter dem Aspekt der Sinnhaftigkeit, Aufklärung und Wahrhaftigkeit geführt werden, appellierte Dr. Benser.
„Viele Köche verderben den Brei“, betonte Limburg und sprach sich für eine Dezentralisierung der Energieversorgung aus. Er warnte nochmals davor, zur Energiespeicherung auf Pumpspeicherwerke zu setzen – diese rechneten sich nicht, ja, sie seien gar in der erforderlichen Menge unbezahlbar.
Die Speicherung sei in der Tat noch ein ungelöstes Problem, so Hermann, eine Lösung sei aber auch nicht zum „Nulltarif“ zu haben. Es setze erstens auf den Netzausbau und zweitens auf die Speicherung.

Zum Abschluss des offiziellen Teils wurde die Diskussion hin zum Auditorium geöffnet:
Dipl.-Jur. Detlef Untermann, Pressebeauftragter des VDI Berlin-Brandenburg, bekundete, dass ihn die Diskussion verwirre, und betonte unter starkem Beifall, dass Aufgabe und Problem noch längst nicht klar seien. Die Fakten seien eben von der Politik vorgegeben, erwiderte Dr. Bernd Benser.
Dr. Bernd Schulz-Forberg, Spiritus Rector des neuen VDI-Arbeitskreises Sicherheit, stellte dem Fazit „NIMBY“ (not in my backyard) des moderierenden Wirtschaftsjournalisten Thomas Prinzler ein sarkastisches „NOPE“ (not on planet earth) entgegen und kritisierte den VDI als „nicht kämpferisch genug“. Er erinnerte daran, dass aus VDI-Kreisen die Einrichtung eines unabhängigen Deutschen Technikrates empfohlen wurde, sich die Bundeskanzlerin aber leider eher auf die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) berufe.
Prof. Dr. Hans Hoffmeister von der Zellwerk GmbH, zusammen mit seinem Sohn Federführender dieser Auftaktveranstaltung, sprach sich dafür aus, den Ausbau regenerativer Energien auf wissenschaftlich und wirtschaftlich vernünftige Bereiche zu beschränken; der Ausgang der gegenwärtigen Energiepolitik werde jedenfalls „desaströs“ sein.
Aus Sicherheitsgründen sei ein Energiemix zu empfehlen, so Markus Czerner. Er setze auf den „Portfolio-Effekt“, wonach Diversifikation Systemstabilität begünstige. Abschließend empfahl er den Ausbau der europäischen Netze.

Weitere Informationen zum Thema:

Verein Deutscher Ingenieure
Berlin-Brandenburg

EIKE
Europäisches Institut für Klima und Energie

VDI
Zentrum Ressourcen Effizienz und Klimaschutz

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