McKinsey-Studie: Berlin könnte führende Startup-Metropole Europas werden

„Berlin gründet“ fasst das Stimmungsbild und die aktuelle Lage der Gründerszene in der Hauptstadt systematisch zusammen

[GTIV, 12.10.2013] Deutschlandweit gilt Berlin bereits als Top-Standort für Gründer, aber im internationalen Vergleich bestehe noch Nachholbedarf, so ein Ergebnis der aktuellen McKinsey-Studie „Berlin gründet – Fünf Initiativen für die Start-up-Metropole Europas“. So könnten 100.000 neue Arbeitsplätze durch gezielte Initiativen bis 2020 geschaffen werden. Die deutsche Hauptstadt habe beste Voraussetzungen, sich zur führenden Gründermetropole in Europa zu entwickeln.

Berlins führende Rolle in Deutschland

Auf eine Betriebsgründung in München kämmen 2,8 in Berlin. 2012 hätten deutsche und ausländische Wagniskapitalgeber in Berlin 133 Millionen Euro in Startups investiert, in Baden-Württemberg hingegen nur 24 Millionen Euro, in Bayern 19 Millionen Euro und in Hamburg 14 Millionen Euro.
Berlin zähle zu den obersten fünf Prozent der Regionen Europas beim Zuzug neuer Unternehmen aus dem In- und Ausland.

Berlins Hausaufgaben

Um jedoch zu den international führenden Startup-Standorten aufzuschließen, müsse Berlin seine guten Potenziale noch stärker nutzen, so Katrin Suder, Leiterin des Berliner McKinsey-Büros. Bei der Förderung von Gründern und Talenten, bei der Kapitalbeschaffung für Gründer in der Wachstumsphase sowie bei der Vernetzung der Startups mit etablierten Unternehmen könne Berlin laut Suder noch besser werden.
Gelinge dies, könne Berlin im Wettbewerb der europäischen Top-Gründungsstandorte von aktuell Platz fünf – hinter Tel Aviv, London, Paris und Moskau – deutlich aufholen.

Programme zur Stärkung der städtischen Gründerszene

Berlin kann der Studie zufolge eben von den Erfahrungen anderer Gründungszentren wie New York, London oder Tel Aviv lernen. Dort wurden in den vergangenen Jahren groß angelegte Programme zur Stärkung der städtischen Gründerszene gestartet.
In Berlin sollte nach McKinsey-Einschätzung analog den internationalen Vorbildern eine so genannte vom Senat aktiv zu unterstützende „Delivery Unit“ als zentrale, koordinierende Anlaufstelle geschaffen werden. Die Stadt benötige eine solche Einrichtung, um alle Initiativen voranzutreiben, Ziele für die vielen verschiedenen beteiligten Akteure mitzudefinieren und dafür zu sorgen, dass diese auch erreicht werden, betont Suder.

Nachholbedarf: Finanzierung in der Wachstumsphase

Während es bei der Gründungsfinanzierung schon ganz gut aussehe, gebe es in Berlin bei der Finanzierung von Startups in der Wachstumsphase noch Nachholbedarf. Hierbei könnten sich etablierte Unternehmen und Private noch stärker engagieren, sagt der Gründer und Geschäftsführer des Spieleherstellers Wooga, Jens Begemann.
Berlin sei eine relativ junge Gründerstadt, deren Gründergeist durch konkrete Initiativen von Politik, Wirtschaft und Universitäten weiter beflügelt werden könne. So könne durch die gezielte Schaffung gründungsfreundlicher Strukturen und einer ausgeprägten Willkommenskultur durch alle Beteiligten die Zahl der erfolgreichen Gründungen gesteigert werden. Auch die Kontakte untereinander, ebenso wie Kooperationen der Startups mit etablierten Unternehmen seien noch weiter ausbaufähig.

Fünf Initiativen

McKinseys Vorschläge zielten konkret darauf ab, die Gründungsdynamik in der Stadt zu verbessern und die Startup-Szene systematisch zu fördern, erläutert McKinsey-Partner Christian Malorny:

  • „Neue Berliner Gründerzeit“
    Studenten und Professoren sollen mehr für das Thema Gründung begeistert werden. Gelingen kann dies der Studie zufolge u.a. über bessere Anreizsysteme für Mitarbeiter in Forschungsinstituten und insbesondere in Hochschulen, spezifische Auszeichnungen für gründungsstarke Professoren oder Forschungsinstitute sowie eine Ausweitung des bereits existierenden Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg. Ein „Berliner Gründercurriculum“ sollte sich für eine bessere Abstimmung und Bündelung von Gründungsaktivitäten an Universitäten engagieren.
  • „One-Stop-Agentur Berlin“
    Die Unterstützung von Gründern durch Senat und Verwaltung sollte verbessert werden. So könnte eine mehrsprachige „Start-up-Serviceagentur“ als zentraler Anlaufpunkt für ausländische Gründer fungieren und ihnen helfen, den schnellsten Weg durch den deutschen Behördendschungel zu finden. Als Soforthilfe würde ein Onlineportal mit einem Überblick über alle relevanten Dienstleistungen von Behörden und Institutionen für Transparenz sorgen.
  • „Berliner Gründer-Campus“
    Ziel ist der Aufbau einer zentral gelegenen, flexibel anmietbaren Bürofläche, insbesondere für Neugründungen mit digitalen Geschäftsmodellen, etablierten Unternehmen und Wagniskapitalgebern. Eine solche räumliche Nähe wäre ideal für Austausch, Networking und Förderung. Auf dem Campus könnten ein Coaching-Zentrum für wachsende Unternehmen und eine Koordinationsstelle zur besseren Vernetzung aufgebaut werden.
  • „Start-up-Fonds Berlin“
    Um mehr Kapital für wachsende Startups zur Verfügung zu stellen, soll ein neuer Privatfonds mit rund 100 Millionen Euro eingerichtet werden, der sich speziell an junge Unternehmen mit einem Kapitalbedarf ab drei Millionen Euro richtet. Als Kapitalgeber kommen vor allem Konzerne und Mittelständler in Frage, mit denen bereits erste Gespräche geführt werden.
  • „Das Berliner Gründernetzwerk“
    Als fünfte Initiative schlägt McKinsey vor, über den Senat eine Taskforce „Berliner Unternehmensdialog“ einzurichten. Ihre Aufgabe: etablierte Unternehmen mit Gründern zusammenzubringen und sie so für eine Unterstützung zu gewinnen.

Fokus der Initiativen

Der Fokus der Initiativen sollte der Studie zufolge auf den Segmenten digitale Geschäftsmodelle, Bio- und Medizintechnologie sowie den so genannten „Urban Technologies“ liegen. Letztere umfassen die Segmente „Cleantech“, „Elektronik“ und „Mobilität“, also Geschäftsmodelle, die sich an dem Thema „Stadt der Zukunft“ orientieren. In diesen Bereichen verzeichnete Berlin zuletzt bereits die meisten Gründungen.
Es gehe darum, bestehende Stärken auszubauen, die Unterstützung zu fokussieren und zu bündeln, so Malorny. Bis 2020 könnten in Berlin auf diese Weise über 100.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen – rund 40.000 in den Startups selbst und 60.000 über den sogenannten Multiplikatoreneffekt, demzufolge jeder neue Arbeitsplatz die Basis schafft für weitere Beschäftigungsverhältnisse.

Weitere Informationen zum Thema:

McKinsey&Company
McKinsey-Studie: Berlin kann führende Start up-Metropole Europas werden

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