Der Deutsche Mittelstand als Sinnstifter

Anmerkungen zum „Tag der Arbeit“: Selbstbestimmte Erwerbstätigkeit im Umfeld kleinerer und mittlerer Unternehmen

[GTIV, 01.05.2007] Alexandra Schwarz-Schilling, Leiterin der Arbeitsgruppe „Politik“ des Business and Professional Women – Germany, Club Berlin e.V., eröffnete am 18. April 2007 die Podiumsdiskussion „Arbeit der Zukunft – Zukunft der Arbeit“ im Kennedy-Saal des Rathauses Schöneberg in Berlin. Motiviert von der Erkenntnis, dass die Internationalisierung des Arbeitslebens, verbunden mit dem Einsatz neuer Technologien und dem Wandel gesellschaftlicher Strukturen, Berufstätigen zunehmend mehr Mobilität, Flexibilität und die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen abfordern, wurde die Grundsatzfrage nach den Eigenschaften der Erwerbstätigkeit im 21. Jahrhundert lebhaft diskutiert.

Hochdynamische Karriereentwicklungen
Deutlich wurde durch die persönlichen Erfahrungsberichte, dass das Berufsleben der Zukunft kaum ein statisches Verharren vom Zeitpunkt des Ausbildungsabschlusses bis zur Rente mehr sein wird, sondern sich je nach Lebensalter und privaten Randbedingungen eher Phasen der Festanstellung mit solchen einer freiberuflichen und schließlich gar einer selbständigen Tätigkeit abwechseln können. Der Wunsch nach selbstbestimmtem sinnerfüllten Handeln und Arbeiten mache aber eine ständige Weiterbildung notwendig.

Unternehmenskultur als Betriebsvermögen
Nina-Maria Wagner, Filialleiterin der dm-Drogeriekette, sprach über den Erfolgsfaktor betrieblicher Zielsysteme, die es auf die Belegschaft konkret im Betriebsalltag anzuwenden gelte. Regelmäßige Zielgespräche mit den Angestellten im Kontext der betreuenden Begleitung der einzelnen Personen auf ihrem Weg zum Ziel gehörten heute zum Standard und seien Basis des gemeinsamen Erfolges.

Schattenseiten der „schönen neuen Arbeitswelt“
Warnende Stimmen vom Podium wie aus dem Auditorium wiesen aber auch auf die Probleme der Arbeitswirklichkeit im 21. Jahrhundert hin: Neben den großartigen Chancen für jeden einzelnen Menschen drohten eben auch Zielkonflikte, die zu einer Überforderung führen könnten. Podiumsgast Prof. Dr. Ernst-H. Hoff vom Fachbereich Erziehungswissenschaften und Psychologie der FU Berlin nannte beispielhaft den Konkurrenzdruck, dem die Verpflichtung zur Teamfähigkeit gegenüberstehe. Zudem drohe in mehreren Branchen die Gefahr der Selbstausbeutung, die der erhofften Entfaltung der eigenen Persönlichkeit im Wege stehe und zudem durch den hohen Arbeitsanfall die Qualität der Ergebnisse in Frage stelle. Stand im Industriezeitalter noch die physische Inanspruchnahme der Berufstätigen auf der Tagesordnung, gelte es heute vor allem psychische Belastungen auszuhalten. Aus dem Auditorium wurde die kritische Anmerkung eingeworfen, dass auch die Frage erörtert werden müsse, wer eigentlich die von einem Menschen angebotene Arbeit überhaupt brauche und wie wir mit der heute nicht mehr nachgefragten Arbeit und den sich dahinter verbergenden Schicksalen umgehen sollten. In der heutigen Arbeitspraxis komme es vielfach zu einem Ausspielen der Generationen, anstatt die Kreativität junger Menschen mit der Lebenserfahrung der Älteren erfolgreich zu verbinden.

Zukunftsmodell „KMU“
Die GTIV sieht in den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowohl die traditionelle wie auch zukünftige Basis der Wertschöpfung und Sinnstiftung. Gerade die flexiblen kleineren mittelständischen Betriebe erlauben Erwerbstätigen eine unkomplizierte Teilhabe an der betrieblichen Wertschöpfung: Als Festangestellte in Voll- oder Teilzeit, als externe, auf Zeit in den Betriebsablauf eingebundene freiberufliche Kräfte oder gar als selbständige Dienstleister im Rahmen eines konkreten Projektes. Eine auf Nachhaltigkeit setzende Politik muss daher auch eine den Mittelstand durch Bürokratieabbau und Senkung der Abgabenlast fördernde Wirtschaftspolitik sein!

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