Deutschland vergeudet Rohstoff des 21. Jahrhunderts

Fahrlässigkeit bei Bildung und Weitergabe von Wissen gefährdet Wohlstand

[GTIV, 13.09.2006] Die jüngste OECD-Studie legt den Finger in die Wunde: Deutschland versäumt es, sich eine starke Akademikerschicht aufzubauen! Die Bundesrepublik investiere weniger Geld in Bildung als der OECD-Durchschnitt.

Wissen sei als virtueller Rohstoff die Wohlstandsbasis des 21. Jahrhunderts, so Dirk Pinnow, Präsident der Gesellschaft für Transfer immateriellen Vermögens (GTIV) in Berlin. Gefahr drohe aber nicht allein durch den demographisch bedingten Akademikermangel – gut ausgebildete junge Deutsche verließen zudem die im Reformstau erstarrte und mental in weiten Teilen noch im Industriezeitalter verharrende Heimat, um sich anderenorts zu engagieren und unternehmerisch tätig zu werden.
Die moderne Informations- und Kommunikationstechnik erlaube zunehmend eine ortsunabhängige betriebliche Tätigkeit. Insbesondere hochformalisierte und automatisierte Wertschöpfungsprozesse lösten sich von ihrer örtlichen Bindung, so dass sie keine Standort- und Wohlstandssicherung mehr garantierten. Verschärft werde das Problem durch die wachsende Bereitschaft auch alteingesessener mittelständischer Unternehmen über eine Standortverlagerung z.B. ins EU-Ausland nachzudenken.
Globalisierung und Regionalisierung seien aber zwei Seiten einer Medaille, so Pinnow. Wohl beförderten wirtschaftspolitische Großräume wie z.B. EU und NAFTA die Herausbildung interkultureller Gemeinsamkeiten. Dennoch bedürfe es zur Identitätsstiftung der ideellen Bindung an eine bestimmte Region und an ihre kulturellen Besonderheiten.
Kreativität und Innovation entstünden gerade durch die Konfrontation mit konkreten Problemen an einem Ort und schöpften Lösungsansätze aus dem fachlichen und kulturellen Erfahrungsschatz des jeweiligen Umfeldes. In diesem Zusammenhang müssten die Öffentlichkeit und die Politik erkennen, dass das Erlöschen von kleinen und mittelständischen Unternehmen auch zu Kulturverlust führe!
Die Schließung eines Unternehmens sei mehr als der bloße Verlust von Arbeits- und Ausbildungsplätzen oder Steuereinnahmen – es gehe ein Stück Alltagskultur verloren. Das soziale Umfeld liege brach: Wissen und Können nähmen ab oder würden exportiert; geistige und infrastrukturelle Verödung und wachsende soziale Probleme ganzer Landstriche oder Ortsteile stellten sich zunächst schleichend und dann durch Selbstverstärkung immer sichtbarer ein. Zurück bliebe eine rein konsumtive Gewerbestruktur, während die Quellen von Innovationen und Wachstumsanregungen versiegten.
Es sei höchste Zeit, ideologiefrei und pragmatisch die derzeitigen und zukünftigen Leistungsträger des Landes in den Fokus der Politik zu rücken, ihnen die Bildung und Entfaltung einer soliden Wissensbasis zu garantieren, Wissenstransfer über Bereichs- und Generationsgrenzen hinweg zu unterstützen und Wertschöpfung im eigenen Lande durch Bürokratieeindämmung überhaupt erst einmal zu ermöglichen, bevor Steuer- und Abgabenerhöhungen initiativen Geist zerstörten und Lethargie und Subventionsungeist bei den Leistungsempfängern förderten.

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