Deutschland vertreibt seine Zukunft

Abwanderung junger Menschen offenbart Perspektivlosigkeit

[GTIV, 23.10.2006] Die Abwanderung aus Deutschland weise ein „Rekordhoch“ auf, so der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in seiner heutigen Meldung „Braun warnt vor ,Brain Drain’“ – im letzten Jahr habe es so viele Wegzüge wie seit über 50 Jahren nicht mehr gegeben.
Wenn derzeit jene ambitionierten und engagierten jungen Kräfte Deutschland verlassen, die doch eigentlich in Zukunft erst noch jene Werte schöpfen müssten, um ein Gegengewicht zu den in der Vergangenheit aufgehäuften Schulden der Öffentlichen Hand zu schaffen, zeigt sich die Tragik dieses zur Zeit noch auf sehr hohem Niveau lamentierenden Landes.
Dirk Pinnow, Präsident der Gesellschaft für Transfer immateriellen Vermögens in Berlin, sieht eine schleichende Zerstörung der Zukunftstauglichkeit: „Im Informationszeitalter sind gut ausgebildete und motivierte Menschen flüchtige Vermögenswerte, die es zu pflegen gilt!“ Wer seine zukünftigen Leistungsträger vergraule, jage teuer erworbenes Wissen und Können aus dem Land und müsse beides später für viel Geld aus dem Ausland wieder importieren.
Verschärft wird das Problem der Abwanderung natürlicher Personen durch die wachsende Bereitschaft auch alteingesessener mittelständischer Betriebe, ihren Sitz, ihre Produktion und Dienstleistungsbereiche ins benachbarte europäische Ausland zu verlegen. Zurück bleibt eine rein konsumtive Gewerbe- und Gesellschaftsstruktur, die sich nur noch auf Billig-Supermärkte, Tankstellen, Imbisse, Videotheken, Spielhallen und Matratzenläden stützt, während die Quellen von Innovationen und Wachstumsanregungen versiegen bzw. entfliehen.
„Leistung muss sich endlich wieder lohnen!“, fordert Pinnow. Gerade in wirtschaftlich schwieriger Zeit sei einerseits der Geldvernichtung zu wehren, andererseits aber gezielt in die Zukunft, d.h. in Aus- und Weiterbildung, Forschung und Kultur sowie Infrastruktur zu investieren, denn nur dadurch schaffe eine Volkswirtschaft bleibende Gegenwerte und die Basis für eine nachhaltige Wertschöpfung. Es bleibe keine Zeit mehr für Parteiengezänk, Bürokratieverliebtheit und wehmütige Rückblicke auf die selige Wirtschaftswunderherrlichkeit des letzten Jahrhunderts.

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