Jungunternehmer braucht das Land

Herausforderung Unternehmensnachfolge im Mittelstand Schwerpunkt der XVI. Betriebswirtschaftlichen Tage zu Schwerin 2006

[GTIV, 27.10.2006] Einigkeit herrschte auf den „XVI. Betriebswirtschaftlichen Tagen zu Schwerin 2006“ über die volkswirtschaftliche Dramatik des Themas „Unternehmensnachfolge im Mittelstand“ vom 26. bis 27. Oktober 2006 im Crowne Plaza Hotel Schwerin: In den kommenden zehn Jahren werde sich ein Drittel aller Unternehmer in der EU aus dem Geschäftsleben zurückziehen, führte Dr. Mary Papaschinopoulou vom Büro IHK-Nord bei der EU in Brüssel das demographische Grundproblem aus.
BVMW-Präsident Mario Ohoven stellte zum Abschluss des ersten Kongresstages in drastischen Worten die Gefahr durch Abwanderung von KMU und gut ausgebildeten Absolventen ins Ausland dar. Es gebe nur einen Ausweg aus der Misere: Steigerung der Wertschöpfung in Deutschland! Gerade die im Vergleich zu Großbritannien oder den USA geringe Eigenkapitalquote und der Mangel an natürlichen Bodenschätzen erzwinge eine Konzentration auf immaterielle Vermögenswerte. Dazu gehöre in Zeiten qualitativ ähnlicher materieller Produkte eine Stärkung des Beziehungsmanagements zur Herausbildung von Alleinstellungsmerkmalen.
Vor dem Hintergrund der in den Arbeitskreisen dargestellten Erfahrungen, wonach nur etwa 20 Prozent aller Familienunternehmen in Deutschland erfolgreich auf die nachfolgende Generation übertragen werden, und angesichts der Tatsache, dass 99,7 Prozent aller deutschen Unternehmen als mittelständisch gelten, wird die Gefährdung der Wertschöpfung und damit des Wohlstandes offensichtlich. In diesem Zusammenhang ist zu bedenken, dass eine ordentliche Nachfolgeregelung Zeit benötigt – zwischen drei und zehn Jahre müssen je nach den individuellen Rahmenbedingungen vorgesehen werden.

Dirk Pinnow, Präsident der Gesellschaft für Transfer immateriellen Vermögens e.V. in Berlin, sieht zusammenfassend zwei wesentliche Erfolgsfaktoren für einen nachhaltigen Unternehmensübergang: 1. Psychologie und 2. Finanzierung. „Als Steuerzahler, Arbeitgeber, Ausbilder und nicht selten auch als Sponsor bzw. Mäzen sind mittelständische Unternehmen Stützpfeiler und Motor des regionalen wie nationalen Wohlstandes“, so Pinnow; unternehmerisches Handeln sei daher eine elementare Kulturleistung. Wer sich selbst als Macher/in und Entscheider/in verstehe, danach auch das Privatleben ausrichte und sich mit dem eigenen Lebenswerk identifiziere, habe natürlich emotionale Probleme mit dem Loslassen einerseits und mit dem Einlassen auf einen neuen Alltag andererseits, dessen Klassifizierung als „Ruhestand“ für aktive Persönlichkeiten als Drohung und Ankündigung des eigenen Endes verstanden werde. Für Nachfolgende stelle der Unternehmensübergang hingegen eine Existenzgründung dar, die durch möglicherweise unrealistische Vorstellungen der Vorhergehenden hinsichtlich des Kaufpreises, aber auch durch unangemessene Entnahmen oder faktische Einflussnahme auch nach der offiziellen Übergabe bedroht werde.
Es sei ein großes Verdienst des Initiators der Veranstaltungsreihe, dass gerade auch die psychologischen Aspekte und die Möglichkeiten der alternativen Finanzierung berücksichtigt wurden: Herrn Prof. Dr. Hans-Jörg Richter, Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Management der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock, und seinem Konferenzteam seien Dank und Anerkennung auszusprechen!
Pinnow ist sich sicher: „Eine moderierende ganzheitliche Betreuung und Begleitung des Mittelstands in Phasen des Übergangs unter Einbindung der Rechts-, Steuer- und Unternehmensberater sowie der Kreditinstitute und Investoren ist das Gebot der Stunde!“

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