Nun ade, du mein lieb’ Wirtschaftswunderland

Nachwuchsproblem des deutschen Mittelstands gefährdet Volkswirtschaft

[GTIV, 06.02.2007] DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun sieht jährlich fast 40.000 deutsche Familienunternehmen aufgrund des Generationswechsels in existenzieller Gefahr – und damit auch rund 140.000 Arbeitsplätze.
Dieses Fazit ist das Ergebnis einer DIHK-Umfrage zur Unternehmensnachfolge. *
Jetzt räche sich die Ignoranz der deutschen Gesellschaft gegenüber seiner wertschöpfenden Basis, kommentiert Dirk Pinnow, Präsident der Gesellschaft für Transfer immateriellen Vermögens e.V. in Berlin, diese Alarmmeldung. In den vergangenen Dekaden habe man es sich im „Wirtschaftswunderland“ behaglich eingerichtet und die Früchte der Wertschöpfung des Mittelstands wie selbstverständlich genossen, dabei aber dessen Probleme beharrlich ignoriert, ihm zunehmend sogar Hindernisse in den Weg gelegt – und doch gehofft, dass alles so schön weitergehe wie bisher.
Kein Wunder sei es, dass z.B. Angehörige des Öffentlichen Dienstes vielfach insgeheim jeden noch so kleinen Unternehmer als „Ausbeuter“ und üblen „Profitmacher“ ansähen. Die Ergebnisse der DIHK-Studie seien im Prinzip doch keine neue Erkenntnis. Allerdings beweise eine zynische Mittelstandsdefinition hier ihren wahren Kern, die sinngemäß aussage, dass „Mittelstand“ all jene Unternehmen umfasse, die pleite gehen bzw. aufgrund einer ungeklärten Nachfolgeregelung ihren Betrieb für immer einstellen – ohne dass Politik und Gesellschaft davon Kenntnis nähmen oder gar zu einer Überprüfung der eigenen Grundeinstellung und Hinwendung zu den Problemen der deutschen Wohlstandsquelle gelangten.
Dass junge Leute lieber den vermeintlich leichteren Weg eines alimentierten Daseins gingen und die Mühen und die Last der unternehmerischen Selbständigkeit mieden, sei angesichts der bis heute gepflegten Mentalität wenig verwunderlich, wenn auch ein volkswirtschaftliches Desaster! „Höchste Zeit, dass die Politik nicht nur wohlmeinende Worte für den Mittelstand findet, sondern ihm endlich auch durch nennenswerten Bürokratie- und Lastenabbau Luft zum Leben und Wirken lässt“, so Pinnow.
Zudem müsse sich auch kulturell in Deutschland etwas ändern: „Warum lassen wir in Deutschland neben Spitzen-Sportlern und Leinwandstars oder Sängern nicht endlich auch Spitzen-Unternehmer als Vorbilder hochleben, die in ihrer Region Ausbildungs- und Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen?“

* Quelle: www.dihk.de, „Presse“, 05.02.2007

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