Oh, garstig Lied: You’ll remember that September

Spätsommerliche/frühherbstliche Gedanken von GTIV-Präsident Dirk Pinnow

[GTIV, 07.09.2012] Der September hat es historisch in sich – und es steht zu vermuten, dass auch der September 2012 historische Weichenstellungen ungeahnten Ausmaßes mit sich bringen wird. Viele Urlauber, die nicht bzw. nicht mehr den terminlichen Vorgaben schulpflichtiger Kinder folgen müssen, nutzen gerne den Spätsommer/Frühherbst für eine Auszeit. „Genießt noch die (Krisen-)Zeit, denn die Katastrophe wird grausam!“, möchte man ihnen zurufen… Ja, auch die traditionellen Medien, gemeinhin als „seriös“ geltend, kommen heute nicht mehr darum herum, häppchenweise darzustellen, dass sich die gesamte Welt in einer Währungs-, Wirtschafts- und Systemkrise befindet. Wer also in diesen Tagen aus der Sommerfrische heimkehrt, dem könnte wirklich eiskalt vor Schreck werden – es sei denn, man hat sich schon vorab den Realitäten gestellt und im Rahmen des Möglichen Vorsorge getroffen.
Nun also kommt der Deutsche Michel aus dem Urlaub zurück, so er sich diesen denn noch leisten konnte, und schuftet, wenn er denn noch Arbeit hat, um folgsam gegen die Metastasen menschlicher Hybris in Politik, Wirtschaft und Kultur anzukämpfen, die sich in „Schuldenbergen“, „Spekulationsblasen“ und „Rettungsschirmen“ etc. materialisieren. Die Okonomisierung aller Lebensbereiche aber ist weder durch weitere „Einsparungen“ (Lohnverzicht, Stellenstreichungen, Ausgabenstopp für existenzielle Investitionen etc.) noch durch mehr Anstrengungen (häufig durch unbezahlte Überstunden) zu verhindern – und damit werden Menschen wieder zu Spielfiguren, Manövriermasse, benutzbaren Objekten; werden soziale Schichten, Kulturen und Volksgruppen gegeneinander ausgespielt und aufgehetzt. Die Mehrheit der Menschen glaubt indes wohl noch immer, dass die momentane Euro-Krise nur eine Art „Gewitter“ ist, das auch vorbeiziehen wird – auch im April 1945 soll es Verblendete gegeben haben, die noch auf einen „Endsieg“ hofften. Ein anderes Beispiel sind die unverbesserlichen Idealisten, die noch Ende November 1989 glaubten, durch einen Aufruf – „Für unser Land“ – ein gescheitertes Experiment fortsetzen und ein „Utopia“ schaffen zu können. Lernen wir doch endlich aus der Geschichte: Alle Gemeinwesen, deren Existenz im engeren oder weiteren Sinne auf einem Ponzi-Schema basiert, werden versagen – und dabei unermessliches Leid über die Menschen bringen. Die Tragik unserer Tage ist, dass zunehmend sämtliche vom „Westen“ vertretenen Grundsätze, deren Strahlkraft insbesondere in den Systemauseinandersetzungen des 20. Jahrhunderts vielen Ausgebeuteten und Verfolgten einen Funken Hoffnung auf eine bessere Zukunft verhieß, diskreditiert und bis ins Lächerliche entstellt werden. Und: Es gibt derzeit keinen erkennbaren Gegenentwurf – alle spielen das böse Spiel mit, selbst Russland und China. Das, was Anfang der 1990er-Jahre noch Aussicht auf eine globale Friedensregelung gab, hat sich längst zu einem fatalen, von Größenwahn mit großem Schadenspotenzial gespeisten Endzeitspiel entwickelt.
Ein auf einem von der Realwirtschaft, d.h. von wahrer Wertschöpfung, entkoppelten „Casino Global“ basierendes Wirtschafts- und Finanzsystem, in dem im Prinzip fiktive Geldmengen in Sekundenbruchteilen umgeschichtet werden, trägt den Keim der Selbstzerstörung in sich! Ein Zinseszins-Schuldgeldsystem unterliegt einem exponentiellen Wachstum der Verschuldung auf der einen und des virtuellen Vermögenszuwachses auf der anderen Seite… Wo stehen Sie? Mit mathematischer Sicherheit wird dieses System in einer Katastrophe enden und viele Menschen mit in den Abgrund reißen. Einige Experten sind gar überzeugt, dass die Wirtschaftskräche des 20. Jahrhunderts, die Hyperinflation in Deutschland 1923 und die Große Depression in den USA um 1929, gegen das Kommende nur einem „Partyschaden“ gleichen… In der Tat erleben wir als gewöhnliche Verbraucher eine Überlagerung von Effekten, die man mit einer Inflation (Aufblähung der Geldmenge mit exorbitanten Preissteigerungen als eine Folge) und einer Deflation (Geldverknappung) verbindet – viele Preise (s. nur aktuell Benzin, elektrische Energie und zum Teil auch Lebensmittel) steigen, während aber das verfügbare Einkommen zurückgeht.

Für Renten, Lebensversicherungen, aber auch Fonds und Giralgeldkonten etc. wird es bald heißen: Kalt erwischt – ob nun noch in diesem Herbst/Winter oder doch erst nach einem weiteren, teuer erkauften Aufschub!
Es sind so viele Spieler in diesem globalen „Casino“, so dass keiner sagen kann, wie lange sich dieses System noch halten kann. Daher stellt sich die Frage, was der Einzelne für sich und seine Nächsten jetzt tun kann…

Zunächst einmal gilt es, Hysterie und blindem Aktionismus eine Absage zu erteilen, sonst stolpert man vor Abscheu über die Nutznießer des auf Ausnutzung von Mensch und Umwelt setzenden gegenwärtigen globalen Systems in die Fänge von ebenso gierigen und menschlich zweifelhaften Krisen- und Katastrophengewinnlern. Es lohnt sich, in existenziellen Fragen emotionale Aufheizung zu vermeiden und den gesunden Menschenverstand einzuschalten! Wenn Sie noch in der „glücklichen“ Lage sind, pukuniär überhaupt etwas verlieren zu können, empfehlen Experten die Wandlung in gut eintauschbare und wertbeständige Realwerte, über die man direkt verfügen kann. In jeden Fall gilt es, unbezahlbare Werte zu pflegen und zu entwickeln – so die eigene Gesundheit, Zusammenhalt in der Familie, gute Nachbarschaft und Freundschaft, Bildung und damit Wissen und Können.
Deutschland hat nach 1945 und nach 1990 bewiesen, dass unglaubliche Aufbauleistungen möglich sind – wie auch die Aufarbeitung der Vergangenheit und Wege zur Versöhnung. Natürlich sind das Prozesse, die auch mit Rückschlägen einhergehen; aber trotz aller kritischen Aspekte sind und bleiben es historische Meilensteine. Solange wir den Mittelstand im Lande halten und ihm – wie auch kreativen und leistungswilligen Freiberuflern – die Chance zur Entfaltung geben und sie von pöbelhafter Kapitalismuskritik frei halten, braucht uns um unsere Zukunftsfähigkeit nicht bange zu sein. Wenn wir es dann noch schafften, Bürokratie und Regelwahn zurückzudrängen und die Steuer- und Abgabenlast auf ein akzeptables Maß im Kontext der gesellschaftlich vereinbarten Aufgaben des Staates zu senken, könnte der Aufbruch in eine Epoche gelingen, in der Menschen und ihre Fähigkeiten sowie deren Wertschöpfung wertgeschätzt und Maßstab eines neuen Finanzsystems werden. Das erfordert Mut – aber besser Mut als Wut…

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