Stil und Etikette als Erfolgsfaktoren des Mittelstands

Meisterschaft beruht auf Fachwissen, handwerklichem Können – und Kultur

[GTIV, 26.04.2007] Innungsschneidermeisterin Rosemarie Dominik-Stubbe, Gründungsmitglied und Präsidialrätin „Handwerk“ (2004-2008) der Gesellschaft für Transfer immateriellen Vermögens e.V. in Berlin, weiß aus ihrer reichen Lebenserfahrung zu berichten, dass nachhaltiger Erfolg im Handwerk und kleinen Mittelstand Stil und Etikette voraussetzt:

Kundenorientierung als Erfolgsbasis
Gerade im Kontext von Nachfolgeregelungen sieht sie die Unternehmerinnen und Unternehmer in der gesellschaftlichen Verantwortung, potenzielle junge Nachfolgerinnen und Nachfolger durch das eigene Beispiel zu motivieren, mit eisernem Willen fachliches Wissen zu erwerben, handwerkliches Können zu trainieren, die Lebenserfahrung der Älteren anzunehmen und den kultivierten Umgang mit Menschen als zentralen Erfolgsfaktor für eine dauerhafte Positionierung am Markt immer wieder einzuüben.
Insbesondere die kleineren Betriebe hätten zumeist nur eine einzige Einnahmequelle – die Kunden als individuelle Persönlichkeiten, die die jeweilige wertschöpfende Dienstleistung nachfragten.

Preisdruck bedroht Verbindlichkeit und Vertrauen
Sie kritisiert die in Deutschland weit verbreitete Missgunst, die sich wohl aus den Schlagzeilen über Missmanagement in Großunternehmen speise und dann in der alltäglichen Wahrnehmung aber auf die kleinen Selbständigen übertrage werde. Für diese sei z.B. die zu Jahresanfang erfolgte Anhebung der Mehrwertsteuer sehr wohl ein ernstes Problem, da sie als rechtschaffene Unternehmerinnen und Unternehmer die 19 Prozent eben auf die angebotenen Dienstleistungen und Waren aufschlagen und ordentlich ausweisen müssten. Sie bemerke schon die Neigung einiger Kunden, zu schwarz arbeitenden Betrieben mit fragwürdiger Reputation und mangelhaftem Qualitätsstandard abzuwandern. Zwar straften sich die Kunden letztlich damit selbst, aber es bringe Unruhe in die auf Verbindlichkeit und Vertrauen setzenden Branchen.

Qualitätsansprüche sind nicht verhandelbar
Gleichwohl ist sie überzeugt, dass sich Unternehmerpersönlichkeiten mit festen Grundsätzen und hohem Qualitätsanspruch auf Dauer durchsetzen werden, wenn sie die kultivierte Kundschaft pflegten.
„Man muss auch Nein sagen können!“, so Dominik-Stubbe; sie nehme nur Aufträge an, die sie selbst fachlich und moralisch vertreten könne. Die Jagd nach dem „schnellen Euro“ stehe nachhaltigem Handeln entgegen. Die dauerhafte erfolgreiche Kundenbindung erfordere viel Engagement und „Herzblut“, werde aber durch interessante Begegnungen mit Kundenpersönlichkeiten belohnt. Für sie gebe es keine feste Abgrenzung zwischen Privatleben und Beruf – beides sei kostbare Lebenszeit und sie genieße den alltäglichen, niemals langweiligen und inspirierenden Kundenkontakt. Dieser sei ebenso wichtig für sie wie der pekuniäre Lohn ihrer Arbeit.

„Verachtet mir die Meister nicht!“ – Ausstellung über Traditionsunternehmen in Berlin-Steglitz
Die Unternehmenskultur und Stilbildung im einzelnen Kleinbetrieb habe in der Summe prägende Auswirkung auf die lokale und regionale Kultur. Es sei daher Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger, ob sie in einem Gebiet leben möchten, dessen Gewerbeschwerpunkt nur noch auf Imbissbuden, Videotheken oder Spielhallen liege, oder in einem an alteingesessenen Traditionsbetrieben reichen Stadtteil.
Das Steglitz Museum des Heimatvereins Steglitz e.V. in der Drakestraße 64A in 12205 Berlin, zeige vom 29. April bis 30. September 2007 die Ausstellung „Verachtet mir die Meister nicht …“ („… und ehrt mir ihre Kunst“ – ein Zitat aus der Schlussarie in Richard Wagners „Meistersingern“), die 20 erfolgreiche kleinere Unternehmen aus Berlins Südwesten, von der Bäckerei und Buchhandlung über Optiker und Schuhmacher bis hin zum Modellbau, vorstelle. Auch ihr Maßatelier, das sie vom Vater übernommen habe, sei vertreten.

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